Fokusgruppen verbessern die Qualität des Teilhabeberichts

Ein Erfahrungsbericht Am Beispiel der Fokusgruppen „Bezahlbarer Wohnraum“ sowie „Alter und Pflegebedürftigkeit“

Fokusgruppen-Gespräche sind moderierte Diskussionen mit Betroffenen. Wir nutzen sie gerne in Teilhabe-Prozessen, weil die Sichtweise der Betroffenen so frühzeitig und direkt in Planungen einfließen.  

Für den „Ratschlag für soziale Gerechtigkeit“ der Stadt Erlangen führen wir aktuell Fokusgruppen-Gespräche zu den Themen „Bezahlbarer Wohnraum“ sowie „Alter und Pflegebedürftigkeit“ durch. In den geplanten Teilhabebericht, welcher den Sozialbericht aus 2021 ergänzt, fließen so direkt die Sichtweisen von Menschen mit geistigen Behinderungen, Alleinerziehenden oder Wohnungssuchenden mit geringem Einkommen ein. Dies ist wichtig, damit die lokalen Akteure die Bedürfnisse der sogenannten „vulnerablen Gruppen“ besser berücksichtigen und damit zu mehr sozialer und gesundheitlicher Chancengleichheit beitragen können.   

Herausforderungen und Bedürfnisse erkennen

Jeweils 6-10 Personen aus den unterschiedlichen Gruppen – die sogenannten Lebensweltexpert:innen – nehmen an den Fokusgruppen in angenehmer und vertraulicher Atmosphäre teil. Das Gespräch mit Fokusgruppen zielt darauf, die Herausforderungen und Bedürfnisse der Menschen z. B. bei der Wohnungssuche zu verstehen, die vorhandenen statistischen Erhebungen besser einordnen sowie die konkreten Problemlagen nachvollziehen zu können. 

„Wer eine Wohnung will, findet auch eine Wohnung! –  Stimmt das so?“ Mit dieser oder einer ähnlichen Behauptung starten wir in das Gespräch mit der Fokusgruppe und regen die Lebensweltexpert:innen zum Austausch an. Für die Gruppe der Menschen mit geistigen Behinderungen stehen u.a. die Barrierefreiheit von Online-Portalen bei der Wohnungssuche und natürlich auch die Barrierefreiheit der Wohnungen selbst im Fokus, damit sie eine passende Wohnung finden und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Dazu spielen emotionale Belastungen, durch die aktuell schlechte Wohnsituation und dem Gefühl von potenziellen Vermieter:innen und Mitarbeiter:innen auf dem Amt nicht ernst genommen zu werden, eine große Rolle. Sie wünschen sich eine Sensibilisierung im Umgang mit Menschen mit Behinderung. Das heißt einen ehrlichen und wertschätzenden Umgang miteinander, auch wenn man mal etwas länger braucht und es eine Erklärung in einfacher Sprache braucht, um einen Sachverhalt zu verstehen. Menschen mit Behinderung wünsche sich darüber hinaus, dass sie wahr- und ernstgenommen werden, auch dann, wenn der/die Betreuer:in dabei ist.  

Teilnehmer:innen für fokusgruppen gewinnen

Später im Prozess werden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, die das Leben der Menschen in Erlangen verbessern. Die Teilnehmer:innen an den Fokusgruppen-Gesprächen werden über Multiplikator:innen wie z.B. Mitarbeiter:innen des Zentrums für Alleinerziehende oder Mitarbeiter:innen der Verbände für Behindertenhilfe persönlich angesprochen und gewonnen.  

Die Fokusgruppen-Gespräche dienen zudem dem „Ratschlag für soziale Gerechtigkeit“ als thematische Vorbereitung auf einen Beteiligungsprozess, der mit einer Konferenz startet, bei welcher die herausgearbeiteten Handlungsempfehlungen gemeinsam mit den Lebensweltexpert:innen, den Akteur:innen der Stadt und des Ratschlags diskutiert und Umsetzungsschritte geplant werden. Das Team „Gesundheitliche Chancengleichheit & Inklusion“ der matrix begleitet die Planung, Durchführung und Nachbereitung der Konferenz zum Sozial- bzw. Teilhabebericht. 

Mehr über die Leistungen der matrix im Themenfeld Chancengerechtigkeit finden Sie hier: https://matrix-gruppe.de/themen/chancengerechtigkeit/